Medien - Macht oder Ohnmacht

„Macht und Ohnmacht der Medien“ war das Thema, zu dem Raimund Kirch, der Chefredakteur der Nürnberger Zeitung, von der SENIOREN-Union Altdorf angefragt wurde. In einer gut besuchten Gemeinschaftsveranstaltung der CSU und ihrer Arbeitsgemeinschaften setzte er sich mit den entsprechenden Fragen der Presse und den Reaktionen seiner Leser auseinander.

Direkt von der Titelkonferenz der NZ kommend, erläuterte der Journalist aus Leidenschaft, wie er täglich versucht, die Balance zwischen Wahrheitsfindung, Machtstreben und der Erkenntnis der eigenen Ohnmacht zu finden. An beispielhaften Vorgängen der letzten Zeit zeige sich, wie oft die Medien aber auch missbraucht werden für Eitelkeiten oder Hetzkampagnen, deren Hintergründe oft nur sehr schwer zu erkennen sind. So gab Expräsident Horst Köhler den Medien die Schuld, dass er zurücktreten musste. Stuttgart 21 war 16 Jahre lang kein Thema, ehe es hoch kochte. Oder: Wäre zu Guttenberg nicht so bekannt und beliebt, hätte es auch diese enorme mediale Aufmerksamkeit wegen seiner Dissertation nicht gegeben.

Anders bei Sarrazin: Die mediale Kampagne konnte nicht verhindern, dass über eine Million Bücher von ihm gekauft wurden. So ging beispielsweise kein einziger Leserbrief gegen die Thesen Sarrazins bei der NZ ein, so dass sich selbst die „Zeit“ fragte, ob hier wohl die Journalisten ins offene Messer mancher Gutmenschen gelaufen seien. Die Bürger seien mündiger, als manche selbsternannte Meinungsmacher ihnen zutrauen.

Vor sieben Todsünden sollten sich Journalisten nach Auffassung von Kirch stets hüten, wenn sie ihrem Anspruch auf objektive und seriöse Berichterstattung gerecht werden wollen:

  • Herdentrieb - schreiben was alle schreiben
  • Ökonomischer Faktor Geiz – Förderung der Umsonst-Mentalitiät
  • Diebstahl geistigen Eigentums – Abschreiben ist auch Diebstahl
  • Züchten von Politikverdrossenheit – Gefahr für unsere Demokratie
  • Hang zum Politainment - statt über Ereignisse, über Klatsch berichten
  • Abhängigkeit von „public relations“ – keine als Nachricht getarnte Werbung
  • „embedded journalism“ - dem eingebetteten Journalismus als Teil der Kriegsführung bis zum Tross bei Politstars.

Es gilt nach wie vor das Sprichwort zu beachten: „Ich muss nicht alles sagen, was wahr ist, aber alles was ich sage muss wahr sein.“

Nach intensiven und zahlreichen Diskussionsbeiträgen ermunterte Kirch die Teilnehmer zu Leserbriefen und auch direkten Meinungsäußerungen. Die nach eigenem Verständnis eher konservativ-liberale Nürnberger Zeitung liefert ebenso den Regionalteil „Der Bote für das Nürnberger Land“ wie die „Nürnberger Nachrichten.